St. Severin macht wieder auf

St. Severin ist fast fertig. Die Sanierungsarbeiten stehen kurz vor ihrem Abschluss. In der Osternacht konnte bereits wieder ein Gottesdienst gefeiert werden. Nur die Kirchenbänke fehlen noch. Man hatte Stühle im Oval aufgestellt, Pfarrer Johannes Quirl zelebrierte an einem kleinen Altar in der Mitte. "Das war ein einmaliges Erlebnis", erinnert sich Barbara Ellerbrock, die in der Gemeinde das Team Bau leitet: "Die Osternacht in der Kirche begann im Dunkeln. Dann wurde ganz langsam das Licht hochgefahren. Die Gemeindemitglieder waren alle sehr ergriffen. Und überrascht, weil die Kirche so hell war." Und wirklich: Das Raumerlebnis in St. Severin ist auch tagsüber überwältigend. Das liegt auch daran, dass der Raum leer ist.

 

Viel heller ist die Kirche aber zum einen wegen des neuen Lichtkonzeptes und zum anderen, weil sämtliche Fenster grundgereinigt wurden. Wie das alles in Wirklichkeit aussieht, kann sich von Montag, 1. Mai bis Sonntag, 14. Mai, jeder selbst anschauen. Die Kirche ist täglich geöffnet zwischen 9 und 18 Uhr. Außerdem lädt die Gemeinde unter der Überschrift "Zurück in St. Severin" zu zahlreichen Veranstaltungen im leeren Kirchenraum ein.

 

 

Los geht es am Tag der Arbeit, 1. Mai, um 9 Uhr mit der Öffnung des Hauptportals zur Messe mit Morgenlob. Eine Lichtinstallation, die eine Raumerfahrung der besonderen Art verspricht, kann man am 1. und 2. Mai jeweils von 21 Uhr bis 24 Uhr erleben. Die überarbeitete und gereinigte Orgel steht im Mittelpunkt eines Festkonzertes am Freitag, 5. Mai, ab 20 Uhr. Domorganist Winfried Böhm und die Bayer-Philharmoniker sind zu Gast. Es tanzt das Ensemble "Metamorphosen". Auch zahlreiche Kirchenführungen und weitere Veranstaltungen gibt es, in denen man den so später nicht mehr erlebbaren Kirchenraum wahrnehmen kann.

 

Nach einer Taizé-Nacht am Sonntag, 14. Mai, ab 20 Uhr wird die Kirche noch mal für zwei Wochen geschlossen, um die Bänke aufzustellen. "Leider", sagt Dr. Joachim Oepen, Leiter des Teams Konzeption und Gestaltung der Gemeinde. Er könne sich vorstellen, auf die Bänke zu verzichten. "Das ist aber nicht möglich. Wir sind eine Gottesdienst-Gemeinde. Wir brauchen die Bänke als Sitzplätze." Allerdings werde man die Bankreihen im hinteren Bereich reduzieren. Dann wirke St. Severin nicht so "zugestellt".

Zweieinhalb Jahre war die Kirche geschlossen

Rund zweieinhalb Jahre war die Kirche geschlossen. Und für Köln überraschend: "Wir liegen ziemlich genau im Kosten- und Zeitplan" weiß Architekt und Bauleiter Jens Kratzheller. Es hat sich eine Menge getan. "Wir haben zuerst die Hülle saniert, um das Innere zu schützen. Danach haben wir im Kirchraum weitergearbeitet." Hülle saniert heißt, dass Fassade  und Dach komplett erneuert wurden. 2250 Quadratmeter Schiefer wurden verlegt. Rund 50 Tonnen Schiefer lasten auf den Mauern der mehr als tausend Jahre alten romanischen Basilika. Kein Wunder, dass sich die Mauern nach außen biegen. Dem wirkt man mit Zugankern entgegen, die ebenfalls alle neu sind. "In den Widerlagern der alten Anker haben wir soviel Rost gefunden, dass die nicht mehr zu gebrauchen waren", erklärt Kratzheller.

Entscheidung für die Steinsichtigkeit

Im Inneren fällt sofort auf, dass die graue Farbe verschwunden ist, mit denen vor der Sanierung etwa die Säulen gestrichen waren. "Wir haben uns für die Steinsichtigkeit entschieden", sagt Oepen. Das ist besonders eindrücklich bei den Fenstermaßwerken und dem Orgelbogen. Steine in unterschiedlichen Farben sind sichtbar geworden. Auch die Versprünge im Mauerwerk des Bogens kann man sehen. Farblich hervorstechend sind die Kapitelle. "Leider haben wir keine Farbbefunde. Wir nehmen an, dass die Kirche früher mal so ausgesehen haben könnte", bedauert Oepen. Die älteste Darstellung des Kircheninnenraums auf einem Gemälde stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Während sich auf den Kapitellen am Eingang noch Rot und Gold die Waage halten, steigt der Goldanteil in Richtung Hochchor erheblich.

 



Severin-Zyklus viel besser ausgeleuchtet

Dort hängt jetzt auch wieder der Severin-Zyklus, der im Kolumba-Museum überarbeitet wurde. Die Legende vom Leben des Heiligen, dem die Kirche ihren Namen verdankt und dessen Gebeine in einem Schrein dort aufbewahrt werden, kann man sich jetzt noch plastischer vor Augen führen. Die Bildtafeln sind nämlich deutlich besser ausgeleuchtet als früher. Sie werden jeweils von Strahlern erhellt, die gegenüber im Chorgestühl angebracht sind. Bis auf den Barthel-Bruyn-Altar sind alle Kunstwerke wieder zurück in St. Severin. Sie waren während der Sanierungsarbeiten ausgelagert.

Sieben Millionen Euro investiert

Billig ist das alles natürlich nicht. Rund sieben Millionen wurden investiert. Den Löwenanteil in Höhe von 5,6 Millionen Euro trägt das Erzbistum. Den Rest schultert die Gemeinde. Spenden werden gebraucht. Die Erträge aus Stiftungen, deren Zweck der Kirchbau ist, sind auf einige Jahre zum Teil für die Sanierung vorbestimmt. "Aber so können wir sagen, dass die Kirche wirklich schön geworden ist. Und die Kirche hat alles mit eigenem Geld bezahlt", sagt Oepen. Bund, Land und Stadt haben sich für den Erhalt der romanischen Basilika nicht engagiert.

Hörnchenmesse mit Weihbischof

Richtig fertig ist alles am Dienstag, 30. Mai. Denn wenn die Gemeinde dann ab 19 Uhr mit Weihbischof Ansgar Puff die Hörnchenmesse feiert, wird auch der Severinus-Schrein wieder an seinem angestammten Platz stehen. Schließlich muss man ja zur Verehrung unter ihm hindurchgehen.
 


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Stefan Rahmann, lebt seit 35 Jahren in Köln, davon mehr als 32 in der Südstadt. Zuvor reifte er im Sauerland zum Anhänger der...

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