Mit Beats, Kind und Kegel gegen den AfD-Parteitag

Etwa 150 bis 200 Veedelsbewohner sind spontan einer auf Facebook geteilten Einladung der Südstadtkneipen gefolgt und versammeln sich am Mittwochabend auf dem Chlodwigplatz, um beim Dreh eines „kleinen und feinen Videos“ mitzumachen. Damit soll in erster Linie auf die große Südstadt-Demo „Bunt statt Bla“ aufmerksam gemacht werden. Am 22. April werden all´die Menschen vom Chlodwigplatz zum Heumarkt ziehen, um friedlich und farbenfroh gegen den AfD-Bundesparteitag im Maritim Hotel zu demonstrieren. Organisiert wird das Ganze von einem losen Bündnis von Bürgern, Künstlern, Kneipen und Vereinen.


Ein wenig mehr Publicity kann offenbar nicht schaden, denn nicht allen Teilnehmern der Feierabendaktion war im Vorfeld bewusst, dass es so etwas wie „Bunt statt Bla“ überhaupt gibt. Doch „die Idee ist eigentlich relativ frühzeitig entstanden, schon Ende Dezember“, erzählt Daniel Rabe, Vorsitzender der KG Ponyhof. Damals hatte man auch den Heumarkt angemeldet, wegen der großen Bündnisse dann aber darauf verzichtet. „Wir haben vor zwei Jahren mal gute Erfahrungen gemacht, da sind wir mit mehreren Hundert Leuten vom Chlodwigplatz schon losgegangen“, sagt Rabe, „weil man oftmals besser mobilisieren kann schon so im Veedel und dann zusammen irgendwo hingeht“.


Aufklären über das Parteiprogramm der AfD


Die Macher des Videos wollen aber auch die Menschen darüber informieren, „was so die anderen Punkte der AfD eigentlich sind“, fährt Rabe fort. Die Flüchtlingspolitik der AfD sei ja allseits bekannt, doch es gebe „so verschiedene Punkte, die einfach völlig daneben sind“. Die Haltung zur Atomkraft zum Beispiel. Oder die Familienpolitik. Den ganzen Tag über war das Filmteam daher im Veedel unterwegs, um „Gesichter der Südstadt“ in Alltagsszenen einzufangen und die unterschiedlichsten Menschen zu diesen Themen zu Wort kommen zu lassen: vom Gemüsehändler über den Gastronomen bis hin zum Künstler.


Ein weiteres Zeichen setzen


Zahlreiche Demonstrationen und Veranstaltungen gegen den AfD-Parteitag am sind für den 22. April angemeldet. Vor allem bei den Großdemonstrationen der großen Bündnisse „Köln stellt sich quer“ und „Köln gegen Rechts“ wird mit großem Zulauf gerechnet, auch von außerhalb. Braucht man da noch eine weitere Demo? „Je mehr, desto besser“, findet Teilnehmerin Anke, die von „Bunt statt Bla“ gerade erst erfahren hat.


Nach dem Grund für ihr Interesse an der Aktion gefragt, sagt ihre Freundin Ella: „Ich war neugierig, was die machen und wollte das unterstützen. Man muss halt Aufmerksamkeit für den Tag schaffen.“ Auch Andreas hat Freunde zusammengetrommelt. Beim Videodreh will er dabei sein, weil er am 22. April verhindert ist und nicht mitdemonstrieren kann. Von der Demonstration wisse man zwar in seinem Bekanntenkreis, „aber so allgemein … ich weiß nicht.“

 


Von der Aktion hat die Mehrheit der Anwesenden, die trotz steifer Brise auf dem Chlodwigplatz ausharren und darauf warten, dass es endlich losgeht, über Facebook erfahren. Bewährt hat sich auch die gute alte Mund-zu-Mund-Propaganda. Eine weitere Demonstrantin in spe ärgert sich ein wenig, nicht noch mehr Leuten von der Veranstaltung erzählt zu haben. Auch sie findet die Südstadt-Demo wichtig, um „noch mal ein weiteres Zeichen zu setzen“ für das „bunte Köln“.


Mit Beats und guter Laune


Kurz nach 19 Uhr hat sich dann auch eine ansehnliche Menschengruppe vor der Kneipe Torburg versammeln, um „Regieanweisungen“ entgegenzunehmen. Die Schlusssequenz des Videos soll zeigen, wo und wie am 22. April die Marschroute beginnt. Vom Eingang der U-Bahn-Haltestelle Chlodwigplatz geht es durchs Severinstor und wieder zurück. Angeführt wird der Mini-Demonstrationszug von der Bonner Brass- und Marchingband Querbeat, die mit ihren kölschen Uptempo-Nummern für Stimmung sorgt.


Eine Teilnehmerin wünscht sich angesichts der herbstlichen Frische Sommerhitze herbei, eine andere fühlt sich an einen Schweigemarsch erinnert. Tatsächlich sind die Leute, viele mit Kind und Kegel im Schlepptau, mit spürbarem Ernst bei der Sache. Doch die meisten sind obendrein ausnehmend gut gelaunt. Als die Gruppe ein drittes und letztes Mal – diesmal singend – durchs Severinstor läuft, zieht sie neugierige Blicke auf sich.


Nach den drei Durchläufen ist dann endlich alles im Kasten. Zur „Belohnung“ für das Engagement bei empfindlich kühlen Temperaturen spielen Querbeat dann noch einmal ihren Hit „Dä Plan“ sowie „Nie mehr Fastelovend“ als Zugabe. Vor laufender Kamera wird getanzt, als sei Weiberfastnacht – und es gibt kaum einen, der nicht mitsingt. Spätestens jetzt wird klar, dass auch bei zahlreichen Südstädtern genug Durchhaltevermögen vorhanden ist, um nicht nur widrigen Wetterverhältnissen, sondern auch politischem Gegenwind zu trotzen. Bunt, friedlich und aufmüpfig.
 

 

Die Autorin: Jaleh Ojan war ein waschechtes Südstadtkind, bis sie dem Stadtteil in den späten 80ern dann wieder untreu wurde. Heute zieht es sie immer wieder in das alte Heimatveedel – vor allem auch wegen der großartigen Theater. Seit 2002 schreibt sie als freie Autorin für diverse Medien.


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Kommentare

Botschaft?

Der Sinn der Aktion und die Botschaft für das „bunte Köln“ lassen einen ein wenig ratlos zurück. Weder erfährt man, welche Ziele die Demo verfolgt, noch, gegen was genau im AfD-Parteiensalat sich die Demonstranten nun aussprechen wollen. Es wirkt ein wenig so, als wüssten sie es selbst nicht. Leider ein (erneut) sehr oberflächlicher Protest mit den typisch kölschen Floskeln, wie sie sonst nur von Leuten wie Tommy Engel kommen, deren Lebensleistung darin besteht, sich in eine Lederjacke zu quetschen.

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