Obs un Jemös

Ort

Severinstraße 26
50678 Köln
0221 6060193
0221 6060194

 

“Alles gut Zuhause?” - “Ja, läuft.” - “Solang’s nich aus dem Ruder läuft!” Eine Mami steht mit ihrem Fahrrad samt Kindersitz und dazugehörigem Kind vor dem Laden ‘Obs un Jemös’ auf dem Bürgersteig. Ganz bequem kann sie einfach ohne abschließen, Kind abheben und so weiter en passant einkaufen. Jochen Richrath bedient auch gerne ‘über den Thekenrand’. Hier gibt es keine Tür zum Betreten des Ladens, kein Schaufenster, keine Stufen und keine Wand. Das Motto lautet: Einfach hereinspazieren. Ob Mütter oder Väter mit Kinderwagen, junge, ältere Menschen mit und ohne Rollator – Jochen Richrath macht das Einkaufen allen möglich. Und Zeit für einen kleinen Plausch ist auch noch. Richrath kennt fast alle seine Kunden und Kundinnen persönlich.

So kunterbunt wie seine Kundschaft ist auch das Angebot: frische Kräuter wie Minze, Petersilie, Salbei, Rosmarin, Thymian gibt es in Töpfchen, ja sogar Ruccola, Lavendel, Kapuzinerkresse und Erdbeeren auch. In rot, grün, gelb, orange, weiß und dunkellila strahlt das Angebot verlockend. Zu dem Sortiment eines Obst- und Gemüsehändlers gehören selbstverstänlich Artischoke, Paprika, Zuccini, Bohne Rettich, Zwiebel, Kartoffel, Äpfel in allen Variationen, Wassermelone, Ananas, Banane, Weintraube, Pfirsisch, Papaya – alles, was Mutter Natur so hergibt. Die Wände im ‘Obs un Jemös’ sind in einem warmen Gelbton gestrichen. Alles wirkt sehr mediterran hier. Auf Regalen an den Wänden stehen alte, mechanische Waagen, die schon der Großvater von Jochen Richrath vor bestimmt 60 Jahren benutzt hat und erinnern an die Geschichte der Familie.

Jochen Richrath wurde in eine Lebensmittelhändlerfamilie hinein geboren. Schon sein Großvater verkaufte Lebensmittel. Opa Richrath war einer der ersten, die einen Lebensmittelladen in Köln eröffnete. Man benötigte eine größere Immobilie für einen Lebensmittelladen – und die gab es nicht. Also, wurde Opa Richrath erfinderisch und mietete ein altes Kino an, das keine Filme mehr zeigte. 1967 expandierte er und eröffnete einen Lebensmittel-Großhandel in Quaddrath-Ichendorf. Ganz nebenbei betrieb er inzwischen fünf Lebensmittelläden. “Mein Opa war Lebensmittelhändler, mein Vater ebenso, und ich bin es auch,” erklärt Jochen Richrath zufrieden lächelnd. Der Mann hat Spaß an Obst und Gemüse, kennt sich aus mit seiner Ware und kann viel zu jeder Frucht oder zu jedem Gemüse erzählen.

Im Jahre 2002 wollte Jochen Richrath sich selbstständig machen und fahndete nach einer geeigneten Immobilie: “Auf der Suche nach einem Laden bin ich durch Köln gefahren. Es gab nichts, das mir gefiel. Dann bin ich durch die Severinstraße gefahren und entdeckte diesen Laden. Ich habe sofort Kontakt aufgenommen und an gleichen Tag haben wir den Vertrag unterschrieben”. Das Bauchgefühl hat ihn nicht irregeleitet – zwölf Jahre später funktioniert alles immer noch gut.

Mutter Marlies Richrath steht ihrem Sohn mit Rat und Tat zur Seite. Seit sie 1967 in die Familie Richrath hineinheiratete, beschäftigt sie sich ebenso begeistert mit den lebensnotwendigen Köstlichkeiten. Mit saisonalen Früchten aus dem eigenen Dorf kocht sie köstliche Konfitüren und bietet sie bei ‘Obs un Jemös’ zum Verkauf an. Auch Honig und Eier aus der Eifel gibt es hier, neben Wein aus dem Elsaß. “Wir bieten gerne saisonale Produkte an, viel kommt aus der Gegend. Wir kaufen so regional wie möglich ein. Ansonsten kaufen wir auf dem Großmarkt ein”, erklärt Jochen Richrath.

Apropos Großmarkt – wann muss man dort sein, um die guten Waren zu kriegen, Herr Richrath? “Um sechs Uhr bin ich auf dem Großmarkt. Dort kaufe ich bei sechs verschiedenen Händlern ein. Um sieben Uhr bin ich im Laden und frühstücke erst einmal mit Mutti. Dann bauen wir gemütlich auf,  und dann ist von acht bis halb sieben Uhr ist dann “Obs un Jemös” auf der Severinskirch geöffnet”.

Jochen Richrath weiß, worum es bei Obst und Gemüse geht, schließlich ist er staatlich geprüfter Handelsbetriebswirt und hat Warenkunde studiert. Den Mann kann man getrost befragen. Auf der Severinstraße hat ‘Obs un Jemös’ zwölf bewegte Jahre hinter sich. Mehrmals wurde die Straße aufgerissen und schließlich kamen die Katastrophen mit dem KVB-Bau und dem Einsturz des Stadtarchivs. Unterden Folgen leidet die Straße mit ihren Bewohnern heute noch. Aber weg von der Severinstraße wollte Jochen Richrath deswegen trotzdem nicht.

 

Eine Severinstraße ohne ‘Obs un Jemös’ wäre auch nicht mehr vorstellbar.
 

Aslı Güleryüz

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